Feiern wie Gott in Frankreich - Brackenheim und Charnay erneuern zum 40-jährigen Jubiläum ihre Partnerschaftserklärung

Großzügigkeit und Gastfreundschaft, ein gigantisches, abwechslungsreiches, niveauvolles Programm einschließlich kulinarischer Köstlichkeiten, strahlende Gastgeber und Gäste aus Brackenheim, Castagnole delle Lanze, Zbrosławice und Tarnalelesz und das Gefühl, herzlichst willkommen unter Freunden zu sein – dem konnte auch die Backofenhitze, in die Charnay-lès-Mâcon am letzten Wochenende eingehüllt war, nichts anhaben.

Nach dem ersten Teil der Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Brackenheim und Charnay im letzten Dezember hier folgte der zweite Teil in der französischen Partnerstadt, in dessen Mittelpunkt die feierliche Erneuerung der Partnerschaftserklärung stand, die Bürgermeister Rolf Kieser und Serge Gaulias in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Jean-Louis Andrès unterzeichneten. 

Früh am Freitagmorgen reiste eine Brackenheimer Delegation von rund 60 Teilnehmern den drei Radfahrern nach, die sich bereits am Montag zuvor auf die 600 Kilometer lange Strecke begeben hatten – auf eine „Tortur de Charnay“, wie Organisator Martin Gerhäußer lachend bemerkte -, denen aber die Saharatemperaturen auf der Strecke die Begeisterung nicht nehmen konnten. In Branges trafen sich alle in der überdachten Markthalle zum Picknick, organisiert von den entgegengeradelten Mitgliedern des Fahrradclubs von Charnay sowie Mitgliedern des Partnerschaftskomitees. Einige weitere Radler verstärkten ab Branges die Gruppe, darunter Rolf Kieser und Karl Seither, und unter viel Jubel wurden sie auf die letzte Etappe geschickt – und einige Stunden später am Bürgermeisteramt von Charnay begeistert und mit dem obligatorischen „vin d’honneur“ empfangen.

Nach der Kranzniederlegung am Samstagmorgen am Gefallenendenkmal, trotz sengender Sonne von Jagdhornbläsern in eleganten Uniformen musikalisch umrahmt, machten sich unzählige Teilnehmer bereit zu einem eineinhalbstündigen, schweißtreibenden Umzug durch die Stadt: Motorradfahrer des Clubs „Carpe diem“, die Radler, der Musikverein von Mézériat und die Güglinger „Gassefäger“, die viel zur fröhlich ausgelassenen Stimmung beitrugen, die sich auch auf die fähnchenschwingenden Zuschauer am Straßenrand übertrug, Grundschulkinder auf einem vom Traktor gezogenen Anhänger, Gymnastikgruppe, Pferdekutsche mit den offiziellen Vertretern der Gemeinden. Ein wunderbares, buntes Bild gemeinsam feiernder Europäer, unübersehbar manifestiert auf Transparenten und Fahnen entlang der Hauptstraße.

Unter Bäumen an der Festhalle Verchère gab es bei viel Sprudel, Saft und Wein, kredenzt in eigens für das Jubiläum kreierten Bechern und serviert von fleißigen Helfern in Jubiläumsshirts, Darbietungen der Jugendmusikschule, Ansprachen und einen Anblick, der auch bei den „Royals“ nicht herzerwärmender hätte sein können: Grundschulkinder überreichten Präsidentin Marthe Terrenoire und den Gästen aus den Rathäusern selbst gebastelte Herzchen und Fähnchen – und auch schon mal ein schüchternes Küsschen!

Ein ausgedehntes Mittagessen schloss sich an mit Reden, einer viel beklatschten musikalischen Einlage der Brackenheimer Streicher Angelika Wessel, Laura Mock und Jonas Schmoll, dem Austausch von Gastgeschenken – Charnay konnte nun endlich seinen „VIN“-Fotospot in Empfang nehmen – und der Unterzeichnung der erneuten Partnerschaftserklärung.

Damit war der Festtag aber noch lange nicht zu Ende:

Die gesamte Bevölkerung war zu einem bunten Programm ins „Schlemmerdorf“ in der Domaine de Champgrenon geladen – zur Musik der Gassefäger, die nicht nur Guggemusik, sondern auch Tanzmusik spielen können, der New Orleans-Jazzband, zu Spieltischen, Kletterwand und Luftballonaktion für Kinder und zu allem, was der Magen begehrt: Burger, Leberpastete, Tapas, Paella, Eiskrem, verführerische Kuchenkreationen. Ein Highlight: die Rockgruppe „Memphis“, die mit Welthits aus den 70ern und 80ern auf die Tanzfläche lockte.

Der Sonntag begann mit einer ökumenischen Messe in der wunderschönen Kirche Sainte Madeleine aus dem 16. Jahrhundert unter Mitwirkung von zwei Mönchen aus Taizé, dem Chor Mélod’Amis sowie den Brackenheimer Streichern, deren gefühlvolle Musik in der wohltuenden Atmosphäre bei einigen Besuchern für Gänsehaut–Feeling sorgte.

Klassisch musikalisch ging es weiter bei einer Matinee im Schlosspark von Verneuil mit Musikstücken aus den fünf Nationen der Gäste – und mit wunderbarem Blick auf den Roche de Solutré.

Nach dem Mittagessen in der Verchère verzögerte sich wie üblich der Abschied, zumal die Gassefäger noch ein Abschiedsständchen spielten und einige Paare zum Tänzchen auf der grünen Wiese animierten. Rolf Kieser und Serge Gaulias ließen sich sogar zu einigen Trompetentönen überreden, schrägen Tönen, zugegebenermaßen.

 

Ein Wochenende, ganz im Geist der europäischen Verbundenheit, aufwändig organisiert von Stadtverwaltung und Partnerschaftskomitee, das nur schwer zu übertreffen sein wird und das lange als einmalig schönes Erlebnis im Gedächtnis bleiben wird. Helga El-Kothany