Weinverkorkung, Weltkulturerbe, Wochenende unter Freunden

Castagnole feiert drei Tage lang 30 Jahre Partnerschaft mit Brackenheim und Charnay

 

Eigentlich hatte man für das hübsche Städtchen im Piemont Castagnole delle Lanze einen anderen Partner im Sinn.

Nach einer Urlaubsreise in die Region vor über 40 Jahren denkt man in Sachsenheim über eine Verbindung zwischen den beiden Orten nach. Es folgen offizielle Kennenlernbesuche, doch der Funke will nicht überspringen.

Ganz anders dagegen bei zwei Beteiligten, deren Freundschaft bis heute besteht: Rolf Kieser, damals noch in Sachsenheim, und Felice Bonardi aus Castagnole. 

Als Rolf Kieser Bürgermeister von Brackenheim wird, das durch seinen Vorgänger bereits eine Partnerschaft mit Charnay-lès-Mâcon geschlossen hat, dauert es zwar noch einige Jahre, aber schließlich kommt es im Mai 1996 zur Besiegelung des Partnerschaftsvertrags. Bürgermeister in Castagnole ist damals Gianfranco Fassone.

Doch damit nicht genug. Rolf Kieser kann seinen französischen Amtskollegen Gérard Voisin davon überzeugen, sich der Partnerschaft mit dem Weinstädtchen bei Asti anzuschließen, woraus zuerst ein kleines „Städtedreieck” entsteht, das sich im Laufe der Jahre zu einem „Städtering” erweitern sollte.

 

Am vergangenen Wochenende sind es drei neue Bürgermeister, Thomas Csaszar, Carlo Mancuso und aus Charnay Christine Robin, die bei strahlendem Sonnenschein auf der Piazza hinter dem Rathaus von Castagnole, mit Blick auf das Alpenpanorama, durch ihre Unterschrift den Freundschaftsvertrag erneuern - im Beisein vieler italienischer Zuschauer und von 66 Gästen aus Brackenheim, Charnay-lès-Mâcon, Zbrosławice und Tarnalelesz. Mit dabei sind Brackenheimer, die seither die rund 700 Kilometer schon unzählige Male zurückgelegt haben, sogar auf dem Fahrrad! 

Auch Felice Bonardi ist immer noch als Mann der ersten Stunde mit dabei. Ein überall gern gesehener Gast und Freund, dem es hilft, dass er Deutsch und Französisch spricht. „Dreiundzwanzig Jahre lang habe ich für die Partnerschaft gelebt”, sagt der ehemalige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees. Und auch heute ist er bei den Treffen der „europäischen Geschwister” mit dabei und kann viel erzählen. Überhaupt werden viele Erinnerungen wach – zum Beispiel an die Erfahrungen, die man bei den ersten Besuchen im Piemont gemacht hat: dass es hier im Mai noch kalt sein kann, man aber nur Sommerkleider im Gepäck hat, dass die traditionelle Küche, die „cucina bianca”, anderes bietet als die „rote” italienische Küche, auch dass Piemontesisch eine eigene galloromanische Sprache ist, geprägt durch Französisch - und dass der erste Herrscher des vereinigten Italien, Vittorio Emanuele II, zuerst im Piemont regierte.

Castagnole feiert die 30 Jahre Partnerschaft mit einem bunten Wochenende der Gastfreundschaft, des europäischen Gedankens, des Weines, zu dem viele beitragen: neben der Stadtverwaltung auch Produzenten der Bottega del Vino - und auch Schulen -, die bei der ersten Verkorkung des neuen Barbera mitwirken und die gemeinsam mit Gästen aus Brackenheim und Charnay zu Weinproben unter den malerischen Arkaden einladen, verschiedene Vereine, die den Ablauf des kleinen Straßenfestes organisieren und Essen anbieten. Ein besonders farbenprächtiges Spektakel bieten die „Sbandieratori e Musici”, Fahnenschwinger und Musikanten aus Asti.

Die Gäste aus allen Partnerstädten, ihre Gastgeber und Bürger empfängt das „Locanda Roma” am Freitag zum Galadinner. Am Samstag steht für die Gäste der Besuch des zweitgrößten Schlosses Italiens auf dem Programm, das Reggia di Venaria Reale bei Turin, UNESCO Weltkulturerbe und einst Jagdschloss des Hauses Savoyen, in dessen Fluren und Parkanlagen der europäische Adel flanierte.

Es ist wieder einmal eines jener besonderen Wochenenden, das lange in guter Erinnerung bleiben und Stoff für Anekdötchen liefern wird - von der Autopanne bis zum geretteten Zahn. Ein Wochenende mit einem Blick zurück auf die „Gründerväter”, aber auch mit einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft, den Bürgermeister Thomas Csaszar bei der Unterzeichnung der Urkunden hervorhebt. Die Herausforderungen derzeit zeigten, wie wichtig Zusammenhalt, Dialog und gegenseitiges Verständnis seien. Die Partnerschaft sei dafür ein starkes Zeichen. „Ich bin überzeugt, dass sie auch in Zukunft weiter wachsen wird.” Und so heißt es auch auf der Urkunde, dass man in kultureller Vielfalt gemeinsam dem Frieden verpflichtet sei, durch kulturelle, soziale, schulische und wirtschaftliche Initiativen die Freundschaft zwischen den Bürgern zu stärken versuche, auch für die nächsten Generationen als Symbol einer „dauerhaften Freundschaft, der Einheit und des Friedens zwischen den Völkern".

Partnerschaftskomitee Brackenheim 

Vorsitzende:

Ilona Steinecke

Im Burgstadel 17

74336 Brackenheim

07135 14715

und

Martin Gerhäußer

Kling-Klang 16

74336 Brackenheim

07135 937912

 

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